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Westphal - Geschichte eines Celler Handwerkbetriebes

Geschichte

Im Jahr 1860 wurde die Firma Westphal Präzisionstechnik GmbH & Co KG, damals noch unter dem Namen: „Georg Westphal Präzisionstechnik" von dem Erfinder und Tüftler Georg Wilhelm Westphal in Celle gegründet. Westphal fertigte hauptsächlich Waagen, Gewichte und einige Brillen an. Mit seiner Werkstatt für Präzisionsinstrumente konnte er sich schon bald über die Grenzen Deutschlands hinaus einen Namen machen. Das ständige Wachstum hatte zahlreiche Umzüge in Celle zur Folge. Im Jahre 1896 erlebte das Unternehmen seine bis dato größte Blüte. 3000 spezifische Waagen verließen die „Mechanischen Werkstätten und das optische Institut Georg Westphal". Bei Ausstellungen in Wien, Berlin, London, Paris, Celle, Hannover und Bremen wurden zahlreiche Verdienstmedaillen, Auszeichnungen und Preise erworben. Damals beschäftigte Westphal 29 Arbeitnehmer und war somit Deutschlands größter Feinwaagenbauer für Apotheken und Laboratorien.

Als Georg Westphal am 26.03.1902 starb, wurde sein damaliger Mitarbeiter Ernst Raute vorerst Teilinhaber zusammen mit Westphals Witwe, übernahm aber ab 1908 als Alleininhaber das „Mechanische und Optische Instituts G. Westphal". Raute konnte den Betrieb nicht im Sinne Georg Westphals weiter führen. Die Aufträge wurden weniger und die Mitarbeiterzahlen schrumpften bis 1943 auf vier Gesellen und vier Lehrlinge. Als Ernst Raute 1946 mit 89 (!) Jahren starb, nahm er das Geheimnis der Justage spezifischer Waagen mit ins Grab.

Sein Sohn Fritz wurde Nachfolger und starb bereits mit 37 Jahren an Gehirntumor. Seine Frau Helene Raute übernahm den Betrieb. Ihr zweiter Mann, Max Weller, führte den Betrieb mit großen Geschäftsideen bis kurz vor die Zahlungsunfähigkeit im Jahre 1950 und verschwand mit unbekannter Adresse nach Kanada.

1950 wurde der promovierte Maschinenbauer Rudolf Strohauer zum Eigentümer. Durch verbesserte Waagen für den Apothekerbedarf gelang es ihm - getragen von zahlreichen Apothekengründungen - die Waagenproduktion erheblich auszudehnen. Er errichtete einen Neubau speziell für die Augenoptik um die Produktionen voneinander zu trennen. Mit dem Tod von Rudolf Strohauer 1976 übernahmen seine Witwe und sein Sohn das mittlerweile in eine Kommanditgesellschaft umgewandelte Unternehmen. Ein Jahr später folgte die handelsrechtliche Trennung in Augenoptik und Feinmechanik. Die Feinmechanik stand nunmehr unter der Leitung von Günter Lemke und Hanna Sandau.

Die Waagenproduktion lief mittlerweile aufgrund des technischen Fortschritts in der Elektronik und der daraus resultierenden schwachen Nachfrage nur sehr schlecht. Den entscheidenden Schritt in eine neue Richtung unternahm Günter Lemke. Er stellte den Kontakt zu großen niedersächsischen Firmen her, die Fremdaufträge der Zerspanung an die feinmechanischen Werkstätten vergaben. Lemke führte 1981 auch die NC-Fertigung bei Westphal-Mechanik ein und bestätigte damit die Neuausrichtung der Firma.

1985 zog man nach Westercelle um (heutiger Sitz). Noch im Jahr 1985 wurde das neue Gebäude bereits um einen Aufbau erweitert. Anfang der 80er produzierte Westphal zunehmend Blutmischgeräte für Krankenhäuser und Blutspendedienste. Aufgrund von Zuliefererproblemen musste dieses Produkt vollständig eingestellt werden. Die Dienstleistung Zerspanung wurde erweitert um die Konstruktion, sodass in der Folge komplette Vorrichtungen produziert werden konnten.

Damals waren es jedoch nur „eine Hand voll Kunden", die mit Vorrichtungen zur Automatisierung von Produktionsprozessen beliefert wurden. Diese kamen ausschließlich aus der Automobilindustrie. Trotz dieser Abhängigkeit wurde 1991 erneut angebaut. 2000 wurde das Unternehmen an Dr. Hans Heintzelmann verkauft. Dr. Heintzelmann investierte in neue Maschinen und in ein CAD-System. Er gab dem Unternehmen eine konsequente Ausrichtung auf die Konstruktion und Fertigung von Vorrichtungen zur Automatisierung von vielen verschiedenen Fertigungsprozessen. Der Kundenstamm wurde erheblich ausgeweitet und auch in neuen Branchen wurden Kunden hinzugewonnen.

Im Jahr 2007 verkaufte Dr. Heintzelmann das Unternehmen an Michael Harstorff, dem heutigen Geschäftsführer. Noch im Jahr 2007 erfolgte der Neubau einer ca. 400qm großen Montagehalle. Neue NC-Maschinen wurden gekauft und eine durchgängige CAD/CAM - Kette wurde realisiert.

Heute

Nach fast 150 Jahren ist die Firma Westphal Präzisionstechnik ein ebenso traditionelles wie modernes mittelständisches Unternehmen mit ca. 70 Mitarbeitern und bietet seinen Kunden von der Konzeption und Konstruktion über die Fertigung, Montage und Programmierung bis hin zum Kundenservice eine Komplettlösung für viele Automatisierungsaufgaben. Die Auftraggeber kommen aus den Bereichen Automobilindustrie, Konsum und Investitionsgüterhersteller, Hersteller von Mess- und Präzisionsgeräten, Hersteller aus den Bereichen der Elektrik, Elektronik sowie Wehrtechnik. Im Bereich der Forschung und Entwicklung kooperiert Westphal Präzisionstechnik mit technischen Hochschulen und den eigenen Kunden.

Es werden viele unterschiedliche Technologien beherrscht. Einerseits werden Technologien wie z. B. Schrauben, Kleben, Pressen, Fetten, Stanzen, Beschriften (auch mit Laser), Prüfen taktil und optisch, auf Dichtigkeit/Durchfluß oder auch mit Kamera(sensoren), etc. eingekauft. Andererseits werden diese Technologien bei Bedarf um selbst entwickelte wie z. B. Kugeleindrücken, Rollieren, Verstemmen, Verklemmen oder auch Befüllen ergänzt. Sämtliche gängige Arten der Sensorik werden verarbeitet. Die hohe Fertigungstiefe - angefangen von der eigenen Konstruktion bis hin zur Programmierung (hauptsächlich Siemens S7) hilft uns anspruchsvolle Aufgaben der Automatisierungsindustrie im knappen Terminrahmen unserer Kunden kostengünstig zu realisieren.